Pflegetier? Aber hallo!

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Manche Entscheidungen im Leben treffen wir mit einem Schulterzucken. Vanille oder Schokolade? Kein Problem. Kurz etwas Netflix schauen, bevor du schlafen gehst? Schon etwas schwerer. Aber wenn es dann zu Fragen kommt, wie “Nehme ich ein Pflegehund/eine Pflegekatze auf?” Da wird’s kritisch.

Ich nehme es gleich vorweg: Absolut! Ohne Wenn und Aber. Naja, fast kein aber… Denn so schön es auch ist, einem Tier in Not zu helfen, genauso herausfordernd und herzzerreißend kann es sein. Es ist fast wie eine Achterbahnfahrt: es bringt Spaß, es ist aufregend und manchmal würdest am liebsten ganz laut schreien.

Kommen wir nun zum Offensichtlichen: Du rettest Leben! Nicht nur eins, sondern gleich zwei: Denn indem du ein Tier aufnimmst, wird im Tierheim Platz für ein weiteres, heimatloses Tier, das sonst vermutlich auf der Straße leben würde. Du bist das Sprungbrett für sie, aus einer meist furchtbaren Vergangenheit.

Aber der wahre Pluspunkt: Deine Zukunft ist ungewiss? Kein Problem! Du bekommst einen tierischen Begleiter, ohne dich 10-20 Jahre verpflichten zu müssen. Gerade für diejenigen, die gerne helfen wollen, aber nicht wissen, was ihnen bevorsteht, ist das einfach optimal. Du rettest Leben und profitierst auch noch davon, ohne dir Sorgen um den Tierarzt machen zu müssen! Richtig gehört: seriöse Vereine übernehmen nämlich die Tierarztkosten, wenn du es möchtest. Quasi ein Haustier auf Zeit, ohne das Kopfzerbrechen wegen den Tierarztkosten!

 Du bist dir unsicher, ob du es schaffst, für ein Tier zu sorgen? Glaub mir, du wirst es schnell herausfinden. Pflegetiere testen deine Grenzen, definitiv. Aber du wirst einiges über dich selbst lernen: Geduld, Belastbarkeit, bedingungslose Liebe, auch wenn nur vorübergehend. DU bist der Mensch, der ihnen zeigt, dass Futter nicht optional ist, dass nicht alle Hände schlagen und dass sie schlafen können, ohne ständig Wache zu halten. Sobald der schüchterne Hund das erste Mal Streicheleinheiten einfordert, die ängstliche Katze auf deinen Schoß hüpft: da weißt du, es hat sich gelohnt.

Klingt wie im Bilderbuch, richtig? Falsch. Es ist hart. Sehr hart.

Erstens: Natürlich deine Emotionen, die auf und ab gehen werden. Sollte ich den Hund adoptieren? Kann ich die Katze noch abgeben? Auch Schuldgefühle, dass du sie erneut umziehen lässt. All das ist völlig normal. Dennoch fühlt es sich am Tag der Abholung an, als würde dir jemand dein Herz rausreißen, in tausend kleine Stücke zerbrechen und dann nochmal drauf rumhüpfen und damit musst du umgehen können. Und dann schaut dich dein bereits vorhandenes Tier mit großen Augen an, wo geht denn nur sein bester Kumpel hin? Spätestens da ist ein Nervenzusammenbruch vorprogrammiert.

Zweitens: Das mit den keinen Tierarztkosten kann noch so schön sein, aber es gilt nur für dein Pflegetier. Die Tiere kommen meist von der Straße und werden auf alle erdenklicken Krankheiten vor Ausreise getestet, ja. Aber es kann immer etwas übersehen werden, oder gar noch nicht ausgebrochen sein. Stell dir vor, du streichelst deine kleine, süße Pflegekatze und entdeckt eine karle Stelle: und schon ist es zu spät. Katzenpilz: du hast es, dein Partner hat es, alle deine Haustiere haben es. Viel Spaß dabei, die Wohnung zu sterilisieren. Mit Giardien fange ich gar nicht erst an.

Drittens: Alles ist neu, die Tiere kennen oft gar nichts. Teppich? Nein, wohl eher ein riesiges Klo. Schuhe sind bestimmt zum Spielen da, richtig? Und hey, ich war zwar immer alleine, aber wohin verdammt nochmal gehst du denn jetzt? Egal wie alt, du musst konsequente Erziehung leisten und darfst nicht schnell frustriert sein. Du wirst Dinge erleben und sehen, von denen du nicht mal wusstest, dass sie möglich sind.

Aber nun kommen wir zu dem gefährlichsten Aspekt, und ich spreche aus Erfahrung. Die Pflegestellenversager-Falle. Nun, eigentlich war der Plan, dass dein Pflegetier wieder auszieht, nicht wahr? Und dann kommt die Nachricht: “Hey, Becky hat eine tolle Anfrage, schau mal!” Aber stattdessen schaust du dein Pflegekind an, und diese großen Augen… Daraus wird nix mehr, du hast dich verliebt und kannst dich nicht mehr trennen. Becky bleibt.

Echtzeit-Material von meiner Becky in diesem Moment.

Ob Pflegehund oder Pflegekatze, es ist definitiv keine Entscheidung, die man leichtfertig treffen darf. Aber was ist das schlimmste, das passieren kann? Entweder bist du ein Held und rettest zwei Leben oder du bist ein Held und rettest zwei Leben, nur auf Dauer…

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