Man sagt, mit der Zeit gewöhnt man sich an alles. Aber ich glaube nicht, dass das auch für Abschiednehmen gilt. Nicht, wenn es ums Herz geht. Nicht, wenn es um ein Lebewesen geht, dessen kleine Pfoten große Spuren hinterlassen haben.
Ich habe jetzt schon mein viertes Pflegetier aufgenommen und obwohl ich weiß, dass ich nur ein Sprungbrett in ein glückliches Leben bin, trifft mich der Abschied jedes Mal mit voller Wucht. Es fühlt sich jedes mal so an, als würde ein kleiner Teil von mir mit ausziehen, ein Teil meines Herzens. Jedes mal frage ich mich: War es richtig? Hätte ich sie nicht doch adoptieren sollen?
Und diesmal war es schlimmer denn je. Meine Seelenkatze ist ausgezogen und hat mein Herz gleich mitgenommen. Ja, ich weiß, kitschig, aber genau das war sie. Meine Seelenkatze. Die Katze, die dich anschaut, nie von deiner Seite weicht. Bei der du dir denkst “Du gehörst zu mir”. Ich erinnere mich noch genau an die erste Nacht, in der sie in meinen Armen einschlief. Die erste Prüfungsphase, in der sie nicht von meiner Seite wich. Ich wusste, wir haben uns gefunden, auch wenn wir uns früher oder später verlieren. Und nun ist es so weit, es fühlt sich an wie ein riesiger Verlust, schlimmer als je zuvor. Und doch habe ich sie gehen lassen, weil ich weiß, dass es das Beste für sie ist.
Aber dann war es so weit: sie zog aus, einfach so. Von einem Tag auf den Anderen, weil ich mir gesagt habe, dass es das Richtige für sie ist. Dass ich sie loslassen kann. Aber fühlt sich das Richtige nicht etwas weniger wie Herzschmerz an? Ich vermisse sie, so viel ist klar. Ihr Schnurren, das Kuscheln und ihre bedingungslose Liebe. Wenn ich weinte, kam sie zu mir und tröstete mich. Nun ist dort Leere und all dies war mir bewusst, dennoch hab ich sie gehen lassen.
Warum?
Weil Pflegestelle sein nicht bedeutet, sich nicht zu verlieben. Es bedeutet, trotz der bedingungslosen Liebe loszulassen. Für Sie. Für das perfekte Zuhause. Für das nächste Tier, das nur auf einen Platz wartet, auf eine Chance für ihre Reise in Geborgenheit.
Aber wie man damit umgeht? Ehrlich gesagt: Ich hab keine Ahnung. Ich lasse die Trauer zu. Ich rede. Ich schreibe. Ich weine, und weine, und weine. Aber vor allem erinnere ich mich daran, wofür ich das alles tue. Für die Tiere, die sonst stimmlos sind. Für ein weiteres Tier, das meine Hilfe braucht: Und ich werde da sein, es genau so lieben, wie alle zuvor. Auch wenn mein Herz diesmal nicht ungeschont davongekommen ist.
Es hilft, Fotos anzuschauen, in ihrem neuen Zuhause. Zu wissen, dass sie jetzt glücklich ist. Geliebt. Sicher. Angekommen. Und dass ich ein kleines Stück dazu beigetragen habe. Und ganz tief in mir drinnen weiß ich: Ja, es war das Richtige. Auch wenn es höllisch weh tut.
Denn manchmal heißt Lieben eben auch das: Gehen lassen können.

Leave a Reply