Mitten in der Nacht, Blut im Mund – Yunas FORL Diagnose

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Es ist 3 Uhr morgens, es ist still und ich sitze im Wohnzimmer, kraule meine Katze. Genieße den Moment, denn solche gibt es nicht oft mit Yuna. Sie schnurrt, ich kraule sie am Kinn und plötzlich sehe ich Blut in ihrem Mund. Mein Herz bleibt stehen. Panik, Schwindel, Gedankenkarussel. Innere Blutungen? Hat sie sich verletzt, geschnitten, und ich habe es nicht gemerkt? Stirbt sie mir jetzt weg?

Yuna ist seit fast 2 Jahren bei uns. Eigentlich war sie nicht zur Vermittlung freigegeben, hatte keine Präsenz auf der Website oder sonstiges. Man konnte sie nicht anfassen, sie hatte kein Interesse an Menschen. Und nun das?

Dann kam die Diagnose: Yuna hat eine Autoimmunkrankheit. Als ich das gehört habe, ging es wieder los. Ist es tödlich?

Was ist FORL überhaupt?

Unsere Tierärztin hat mir viel erklärt, ich hatte ja auch endlos viele Fragen. FORL steht für Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen. Ich könnte unser gesamtes Gespräch wiedergeben, aber kurz gesagt: Es ist eine extrem schmerzhafte Zahnerkrankung bei Katzen, die nicht tödlich ist, die Lebensqualität aber enorm einschränkt. Yunas eigener Körper baut ihre Zähne von innen heraus ab, als wären sie ein Fremdkörper, der da nicht hingehört. Sie faulen, bluten, können sich entzünden. Aber das schlimmste: Yuna muss starke Schmerzen haben.

Das Grausame: FORL wird oft spät entdeckt. Viele Katzen lassen sich ihre Schmerzen nicht anmerken, fressen normal, obwohl jeder Bissen eine Qual ist. Und so auch Yuna.

Der einzige Ausweg? Zähne ziehen.

Nach dem Termin sitze ich im Auto, starre auf die Transportbox und breche in Tränen aus. Hätte ich es merken müssen? Habe ich die Anzeichen übersehen? Habe ich nicht gemerkt, dass sie leidet?

Aber nein, ich hätte es nicht sehen können. Diese Worte zu schreiben sind einfach, glauben tue ich es noch immer nicht. Yuna hat keine Schmerzen gezeigt. Normal gefressen, denn wir füttern nur Nassfutter. Selbst als die Ärztin gezielt Druck auf einen Zahn ausübt, reagiert sie kaum. Aber eins ist sicher: Sie muss Schmerzen haben, und das schon lange. Und dieser Gedanke macht mich kaputt. Der Gedanke, dass wir ihr Safe Space sein sollten, sie aber still gelitten hat, während ich dachte, es geht ihr gut. Es fühlt sich an, als hätte ich sie im Stich gelassen.

Nun braucht Yuna eine Zahnsanierung von einem Spezialisten. Unter Vollnarkose werden ihr die betroffenen Zähne gezogen. Stand jetzt vier Stück, aber auch die Wurzeln können angegriffen sein. Das werden wir beim Röntgen herausfinden. Nur so hat sie die Chance, schmerzfrei zu leben.

Nun zu meinem moralischem Dilemma: Hätte das Tierheim es wissen müssen?

Unsere Tierärztin sagt ja.

Einerseits war Yuna so ängstlich, man konnte sie nicht anfassen. Wurde sie deshalb nicht untersucht? Eine gründliche Untersuchung sollte Standard sein. Andererseits weiß man nicht, wie weit es fortgeschritten war, vielleicht konnte man es damals noch nicht sehen. Unsere Tierärztin gab uns den Rat, das Tierheim zu konfrontieren und um Beteiligung an der Behandlung zu bitten. Kann ich das Tierheim aus moralischer Sicht aber zur Verantwortung ziehen?

Das Geld gehört den Tieren, die nicht das Glück hatten, ein Zuhause zu finden. Aber was ist mit Yunas Geschwistern? Sie haben alle das gleiche Risiko, an FORL zu erkranken. So oder so, ich werde mit dem Tierheim in Kontakt treten müssen, denn die Adoptanten der Geschwister müssen benachrichtigt werden. Am Ende geht es nicht um Schuldzuweisung, sondern darum, dass die Tiere die Hilfe bekommen, die sie brauchen.

Fazit: Ja, FORL ist ein Schock. Es ist nicht heilbar, aber behandelbar. Doch wenn Yuna nach der OP endlich schmerzfrei leben darf, dann weiß ich: jede schlaflose Nacht, jede Träne, jeder Cent war gut investiert.

Mein Rat: Macht regelmäßige Kontrollen, auch wenn alles gut scheint. Gerade Katzen werden oft unterschätzt, denn sie sind Meister darin, ihre Schmerzen zu verbergen.

Und ja, natürlich habe ich nach der Diagnose stundenlang gegooglet. Was meine Tiere betrifft, bin ich kein rationaler Mensch. Jede Seite, jedes Forum, jedes Bild hat mich in Panik versetzt.

Aber meine Ergebnisse teile ich mit euch.

Checkliste – FORL-Symptome

  • Mundgeruch
  • Einseitiges Kauen
  • Essen verweigern oder herunterschlingen, ohne zu kauen
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Kieferklappern, Schmatzen, Zähneknirschen
  • Entzündetes Zahnfleisch
  • Häufiges Lippenlecken, Kopfschütteln, Fauchen beim Gähnen

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